Unverpacktladen als erfolgreiche Gründungsidee?

Nachhaltigkeit als Thema gewinnt nicht zuletzt in Coronazeiten und per se in Zeiten des Klimawandels an Bedeutung. Auch stetig wachsende Plastikmüllberge sorgen dafür, dass mehr und mehr Kunden auch an nachhaltigen Produkten interessiert sind und nachhaltig einkaufen. Dazu gehört auch das in den letzten Jahren gestiegene Bewusstsein, weniger aufwendig und teilweise übertrieben in Plastikverpackungen verkaufte Waren zu erwerben.

Diesem Trend folgend gibt es einen regelrechten Boom für so genannte Unverpacktläden. Hier werden Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Hygiene-, Wasch-, Putz- und Körperpflegeprodukte in losen Mengen verkauft. Entweder bringt der Kunde ein wiederverwendbares Behältnis mit oder vom Unverpacktladen selbst werden wiederverwendbare Behältnisse angeboten, auf Leihbasis oder zum Kauf.

Wie lukrativ entwickelt sich der Trend der Unverpacktläden?

Eins vorweg: ja, er ist lukrativ. Die Frage ist, wie lange und für wen?

So viel anders als beim klassischen Gründungskonzept läuft es auch bei Unverpacktläden nicht.

Im Vordergrund stehen daher umso mehr Marktanalyse und Standortplanungen, das richtige Werbekonzept, die Alleinstellung, Skalierungspotenziale sowie die Markenprofilierung, nicht zuletzt das richtige und effiziente Logistikkonzept, hier unter anderem die Konzeption der verwendeten bzw. zu verwendenden Behältnisse wie oben beschrieben.

Im Einzelnen:
Bei aller Wertschätzung für neue Trends und wachsende Märkte werden sich doch gerade bei vielversprechenden und erfolgreichen Gründungskonzepten schnell Nachahmer finden, die so genannten early und late adopters.

Dies ist eigentlich ein Phänomen aus der Konsumentensicht, Early adopters sind die Kunden, die dem so genannten Innovator, der einen neuen Konsumtrend als erstes ausprobiert, mit leichter Verzögerung folgen, aber immer noch Trendsetter sind. Erst danach kommt die mehr und mehr breite Konsumentenmasse und der Trend wird zum Massenphänomen.

Das Ganze kann man aber auch aus Anbietersicht so adaptieren, indem eine neue Geschäftsidee entsteht, die sich über Nachahmer mehr und mehr verbreitet, bis es viele Anbieter gibt und schließlich ein Verdrängungswettbewerb entsteht.

Die Szene der Unverpacktläden befindet sich genau in der early adopters-Phase. Das heißt aber auch, dass schon bald auf die ein oder andere Weise ein stärkerer Wettbewerb und danach eine Marktkonsolidierung (also Konzentration auf die Anbieter, die genügend Nachfrage erfahren) stattfinden wird.

An sich ist dies nichts Ungewöhnliches. Sind neue Produkte oder Märkte lukrativ, dann setzt dieser Prozess automatisch ein. Zurzeit bleibt noch offen, wie sich der Prozess bei Unverpacktläden abzeichnen wird.

Zu vermuten ist, dass einerseits die Starken die Schwachen verdrängen werden, also entweder die Finanzstarken die Kleinstgründer. Oder es kommt zu einer Filialisierung. Oder die tradierten Handelsketten erkennen zunehmend die zusätzliche Gewinnoption für sich. Und nutzen ihre Marktmacht in der Werbung und die Vorteile ihrer bereits bestehenden Kundenbeziehungen, werden den wachsenden Markt an sich reißen wollen.

Hier heißt es also, diese Entwicklung gleich im Unternehmenskonzept einzuplanen und die richtigen Schritte zu unternehmen, damit aus einem neuen Trend nicht ein Rohrkrepierer wird, der schon bald nicht genug Gewinne abwirft für eine selbständige Existenz.

Was sind Faktoren für den Erfolg eines Unverpacktladens?

Kurz gesagt: Sorgfältige Marktanalyse, Zielgruppenanalyse und Standortanalyse sowie die richtige Positionierung und Alleinstellung des eigenen Uverpacktkonzeptes.

Der typische Kunde eines Unverpacktladens sucht als bewusster Käufer vor allem Authentizität, eine transparente Lieferkette und damit die inhaltliche Konsistenz (Stimmigkeit) des Konzeptes. Nachhaltigkeit auf die Ladentür zu schreiben reicht eben nicht, sondern Nachhaltigkeit will dieser Kunde auch im Laden erleben können.

Dies sind damit auch die ersten Erfolgsfaktoren: Authentizität, Transparenz und Stimmigkeit des Geschäftskonzeptes und seiner Umsetzung.

Sicher gibt es auch die Kunden, die nur die plakative Nachhaltigkeit suchen, aber doch noch im Zwiespalt sind, wie viel mehr sie dafür wirklich ausgeben wollen. Und nicht zuletzt wird es auch noch die Kunden geben, die sich aufgrund des Preisgefüges oder der Bequemlichkeit wegen Nachhaltigkeit gar nicht leisten wollen oder können.

Letztere wird man bei aller Anstrengung nicht halten, wahrscheinlich erst gar nicht gewinnen können. Es sei denn, man macht es Ihnen wenigstens bequem, im Unverpacktladen einzukaufen.

Hier preislich mit Dumpings zu agieren, wird auf Dauer wirtschaftlich nicht haltbar sein. Also gilt es, sich in erster Linie auf die der Nachhaltigkeit bewusste Käuferschicht zu konzentrieren.

Hierfür lautet dann die Planungsaufgabe: den passenden Standort suchen, an dem eben jene Klientel erreicht wird. Die letztendlich in Standortnähe wohnt oder in irgendeiner Art und Weise am Standort „vorbeikommt“. Also sollte der Unverpacktladen im richtigen Einzugsbereich angesiedelt sein.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es auch genügend Klientel der Menge nach geben sollte. Es ist also nicht nur danach zu suchen, ob es die gewünschte Klientel im Einzugsbereich gibt, sondern auch, wie viele Menschen diese Klientel im Einzugsbereich ausmachen.

Hierzu kann man sich vielfältiger Daten bedienen, die z.B. Kommunen über ihre Stadt, die Kaufkraft der Bevölkerung, bis hinunter in einzelne Stadtteile und Straßenzüge hat.

Einen falschen Standort kann ein noch so gutes Geschäftskonzept nicht überleben.

Zum Standort gehört aber nicht nur die richtige Klientel. Auch die Erreichbarkeit ist und bleibt immens wichtig. Ob nun nahe gelegene Busse und Bahnen, ausreichende Fahrradplätze oder doch Autoparkplätze (bei aller nachhaltigen Moral sind auch bewusste Kunden oft bequem). Der Kunde möchte zum Laden hin und zurück kommen können.

Auch Wahrnehmbarkeit spielt eine große Rolle. Nimmt niemand vom Unverpacktladen Kenntnis oder wird nicht immer wieder daran erinnert, wird sie oder er erst gar nicht Kunde oder kein dauerhafter Kunde werden.

Hier ist es nicht mit einer schönen Eröffnungsaktion und einem Artikel in der lokalen Presse getan. Das verpufft sehr schnell wieder, wenn nicht regelmäßige Werbung, Aktionen oder eine präsente Lage immer wieder an den Unverpacktladen erinnern. Und es gibt ja auch die Kunden, die erst vom Anblick des Ladens angezogen werden.

Manches Mal entscheidet hier nicht nur die richtige Straße, sondern auch die richtige Straßenseite darüber, ob Laufkundschaft ein Geschäft wahrnimmt oder nicht. Und auch die Lauffrequenz, also die Menge an Leuten, die einen Standort passieren, ist hier wichtig.

Natürlich ist die Miete umso teurer, je prominenter die Lage ist. Es ist aber eine Milchmädchenrechnung, zu glauben, eine günstige Mietlage wiegt weniger Kundschaft auf. Dies verhält sich eher unterproportional, da die schlechte Lage weniger Kosten einspart als potenzielle Kunden verloren gehen.

Auf jeden Fall gilt: je schlechter die Lage, umso mehr muss für Marketing und Werbung ausgegeben werden.

Doch nicht nur Stimmigkeit des Konzeptes und richtiger Standort und Werbung sind Erfolgsfaktoren.

Auch das Konzept, wie die unverpackte Waren abgegeben wird, spielt eine gehörige Rolle. Je ausgeklügelter und besonders, desto besser. Und dabei nicht vergessen, es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen.

Ein Weg sind eigene Behältnisse, die der Kunde preiswert (im Zweifel für den Unverpackthändler zum Selbstkostenpreis) erwerben oder sogar kostenfrei (oder mit Pfand) leihen kann. Hier gewinnt man sogar einen Werbeträger, wenn man die Werbefläche der Behältnisse nutzt.

Und vergessen darf man bei all dem auch nicht, sich selbst als Marke zu etablieren. Ein selbsterklärender Name des Unverpacktladens ist hier das Wichtigste.

Ach ja, natürlich muss die Lieferkette stimmen. Man kann noch so unverpackt verkaufen, wenn die Waren nicht ökologisch wertvoll sind. Ein Widerspruch insich.

Wie schütze ich meine Idee vor Nachahmern und großen Filialisten?

Der zunehmend lukrative Markt der Unverpacktläden wird wie schon beschrieben zwangsläufig Nachahmer anlocken, damit den Wettbewerb erhöhen.

Und auch die großen Marktteilnehmer, also die etablierten Lebensmittelfilialisten, werden die Nachfrage und das stärkere Bewusstsein für nachhaltige Produkte für sich nutzen wollen. Und haben dabei meist die größere Finanzkraft.

Welche Optionen bleiben dann, trotzdem mit Erfolg weiter bestehen zu können?

Unverwechselbarkeit wird dabei eine genau so große Rolle spielen, wie logistisches und werbliches Geschick.

Wie ist das zu schaffen?

Jetzt ist die Zeit zu nutzen, den lukrativen Trend nicht nur auszunutzen, sondern auszubauen und zu festigen.

Eine „Marke“ rund um den Unverpacktladen aufzubauen, ist enorm wichtig. Das ist aber nicht nur ein griffiger Name allein, sondern ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Zu denen auch das bereits oben genannte Konzept für die Behältnisse zum Beispiel zählt. Hier muss sich mindestens der Name wiederfinden, wenn nicht sogar ein richtiges Logistikkonzept aufgebaut werden, an dem zurzeit selbst noch die großen Konzerne des Einzelhandels nur grob feilen.

Die übrigens haben immerhin auch mehr als 10 Jahre gebraucht, um ein schlüssiges und funktionierendes Lieferkonzept auszuarbeiten. Ein großer Tanker ist halt doch nicht so flexibel wie er gerne wäre. Hier liegt ein Vorteil für den „wendigen“ Trendsetter. Bevor die Nachahmer nachziehen, sollte man schon wieder einen Schritt vorausgezogen sein.

Vielleicht ist ja deshalb ein erster nächster Schritt, für Unverpacktläden auch die Liederoption durchzuplanen. Vergessen sollte man dabei nicht, konsequent zu sein. Eine Onlinelösung sollte hier schon fest mit eingeplant werden.

Auch die Einbindung von Kooperationspartnern kann ein indirekter Zugang zu neuen Kundengruppen sein. Ein großer Arbeitgeber zum Beispiel, der seinen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, dass sie ihre Unverpacktwaren an den Arbeitsplatz geliefert bekommen, um sie von dort bei entsprechender Lagermöglichkeit nach Hause mitzunehmen, ist ein großer Bequemlichkeitsvorteil für die Mitarbeiter und ein großes Marktpotenzial für den Unverpacktladen.

Wir wird sich der Markt der Unverpacktläden weiter entwickeln?

Ganz unverblümt muss man resümieren: Ja, es wird noch massive Veränderungen geben und viele Innovatoren und Trendsetter des Themas werden wieder vom Markt verschwinden. Und daher eben auch viele aus dem Boden sprießende Unverpacktläden.

Große Filialisten und finanzstarke Investoren werden den Markt für sich entdecken und die Marktpotenziale besetzen wollen. Auch mehr oder weniger gute Franchisesysteme werden über kurz oder lang aus dem Boden gestampft werden.

Wer hier nicht mit Geschick, kaufmännischer Cleverness, dem richtigen Standort und Konzept sowie Authentizität und Alleinstellung den entscheidenden Schritt voraus bleibt, der wird auf Dauer untergehen.

Denn bei aller Wertschätzung für das Unverpacktprinzip, darf man nicht vergessen, dass irgendwann der Markt auch für die nicht ganz unähnlichen Tante-Emma-Läden keinen Platz mehr hatte. Da nützt auch das geänderte Bewusstsein der Käufer nicht alleine, dass bei vielen zwar eine gewisse Bereitschaft da ist, für Nachhaltiges mehr auszugeben. Dennoch gibt es Preisgrenzen, die auch bewusste Käufer nicht überschreiten wollen oder vor allem können.

Das Beispiel der Bäckereien zeigt es: Wer nicht filialisiert hat, ist vom Markt verschwunden, bis auf ganz wenige Handwerksbetriebe mit nur einem Laden. Hier spielen natürlich Skalierungseffekte und Systemlösungen die entscheidende Rolle. Nicht anders wird es den Unverpacktläden ergehen.

Überlebt haben auch bei den Bäckern die, die ein stimmiges und effizientes Konzept am richtigen Standort haben.

Oder Sie wechseln de Seite und vervielfältigen ihr gutes Konzept als Franchisegeber.

Soll ich es wirklich mit einem Unverpacktladen wagen?

Lassen sie sich nicht entmutigen. Die Chancen sind dennoch groß, wenn man die Erfolgsfaktoren ernst nimmt und den entscheidenden Schritt voraus ist. Noch sind wir in der Phase der early adopters und die Großen der Branche haben gerade erst langsam angefangen , das träge Ruder die ersten Umdrehungen herumzureißen.

Planen Sie Ihre Gründung als Unverpacktladen ausführlich im Hinblick auf Konzept und Standort.

Und vergessen Sie nicht, auch die „übernächsten“ Schritte schon einzuplanen.

Denn auch die großen Namen von heute waren nicht immer da. Und große Namen sind auch schon von kleinen Newcomern überholt worden. Man muss nur den richtigen Plan haben.

 

Wir begleiten Sie gerne dabei, die richtigen Schritte zu planen.

 

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